alle jahre wieder … oder so in der art

wiener stadtwerke, die 200., sozusagen. oder in anderen worten: alle jahre wieder. nein, nicht weihnachten, sondern die beglückung mit dem alljährlichen herzinfarkt-potenzial, allgemein auch bekannt unter jahresabrechnung.
und die hatte es dieses jahr mehr als in sich. in mehreren dingen, und am wenigsten wegen der tollen erhöhung der gaspreise letzten november.

man wartete vorletzte woche vergeblich auf das zarte klopfen des städtischen bediensteten, der normalerweise den gaszähler ablesen würde. interessanterweise waren einige der nächsten nachbarn und so zu hören, auch darüber, aber nada hier. nüsse. niente. gut, denkt man sich, kann ja noch kommen. doch der vormittag vergeht, kein besuch. rauchfangkehrer hinterlassen zumindest gelbe zettel, dieser tat nicht mal irgendwas hinterlassen von wegen vermeintlicher unerreichbarkeit oder ähnlichem.
nachdem man selbst ein wenig im streß ist, macht man im vorbeigehen noch ein foto vom zu diesem zeitmpunkt aktuellen zählerstand, denkt sich noch, man schickt das dann noch schnell zu den stadtwerken, wenn man noch dazu kommen sollte bevor man die deutsche grenze überquert.

nun ja. einige tage nachdem man wieder da ist, findet man ebenfalls keinen nicht erreichbarkeits-zettel mit neue termin oder sonstwas, dafür aber ein a5-kouvert mit allseits bekanntem logo. man reißt es auf, ohnehin schon das berühmte alljährliche ungute gefühl im magen, entfaltet den inhalt, und das erste was einem entfleucht ist ein geflegtes ‘seids deppert?!’ in anbetracht der höhe der erwünschten nachzahlung. man blättert um zur detaillierten aufrechnung, fliegt über den strom-teil und erstarrt in anbetracht des netten balkens der den potentiellen gasverbrauch anzeigt. die worte, die einem in dem moment eher ungewollt und vermutlich zur freude der möglichen mithörenden nachbarn entfleuchen, fallen dezent gesagt unter zensur.
grummelnd schiebt man das kouvert wieder zurück in den briefkasten, damit man es am nächsten tag nur rausziehen müßte zwecks saftiger beschwerde.

die findet dann auch statt, und zwar [nachdems am montag wegen sperrstunde nix wurde] vor einer guten stunde. selbstverständlich machte man sicherheitshalber am montag, bevor man das haus verließ, noch einmal ein foto des zählerstandes, das man heute auch noch benutzen hätte können.

doch alles, das dann stattfand, hätte vermutlich auch von qualtinger oder den schreibern von ma2412 stammen können …

beraterin: ihr anliegen?
kunde: ich würde gerne beschwerde wegen einer rechnung einlegen, eben jene verweigern zu zahlen und …
b: nehmen sie platz, sie werden aufgerufen [nach eintippen des namens]
k: [nimmt platz, zückt gratiszeitung und beginnt kreuzworträtsel zum überbrücken der wartezeit]
[kurz bevor die letzten fünf felder ausgefüllt werden hätten können, wird der kunde aufgerufen, woraufhin er die zeitung wieder in die tasche stopft und zum betreffenden schalter tappt]
k: ich würde gerne wissen, nach welchem prinzip und nach welcher logik zählerstände ausgelegt werden, wenn keiner da war zum ablesen
b: durch eine hochrechung des verbrauches der letzten zwanzig jahre, warum?
k: [zückt rechung, schiebt hinüber] weil ich mich weigere, einerseits die verlangte nachzahlung zu leisten wie auch die zahlung des neu eingestuften teilbetrages aufgrund der tatsache, daß das, was da als zählerstand steht, jedweder realen basis entbehrt
b: [nimmt rechnung, zückt kuli nach deren kurzer betrachtung] wie wäre der zählerstand dann laut selbstablese?
k: [zückt handy, macht foto auf und lest der beraterin die abgebildete zahl vor]
b: [krizzelt auf block herum, tippt danach mit taschenrechner um zur grandiosen feststellung zu kommen] also 100m³ weniger
k: genau. ich möchte eine neue abrechnung, die auf diesem tatsächlichen zählerstand basiert und eine ebenso darauf basierende neue einstufung des teilbetrages
b: das geht nicht, da das schon im system eingegeben ist und man das nicht mehr ändern kann.
k: dinge, die im system eingegeben sind, kann man ändern. ich habe selbst genug mit dateneingabe und -verarbeitung zu tun gehabt, um das zu wissen.
b: außerdem, wären dann auch noch 20e für die änderung —
k: die sind mir in dem fall dann ziemlich blunzen
b: [nimmt abrechnung noch einmal zur hand, blickt auf die erste seite] die einziehung ist eh erst im august —
K: es ist mir wurscht, ob die nächste woche wäre oder erst in zwei monaten, ich zahle es trotzdem nicht. und ich will trotzdem eine neue einstufung.
b: wie ich schon sagte, das im system —
K: [etwas unfreundlich auf summe der nachzahlung deutend und mittlerweile ein wenig gereizt] gut, dann machen wir es eben so … ich zahle die nachzahlung, wenn auch nur unter protest, und verlange trotzdem eine neue einstufung, da ich weiterhin diesen teilbetrag verweigere und auch nicht einsehe.
b: [schiebt keyboard hin und her] eine neue einstufung bzw abrechnung könnte auch höher sein.
k: und wenns zum henker sein muß, zahle ich auch diese 20e gebühr für diese änderung [während er sich so seinen teil zu eben diesem betrag denkt] und wenns sein muß kann ich ihnen zwecks nachweis des zählerstandes auch die beiden fotos mailen
b: [rechnung noch einmal zu sich schiebt und auf keyboard herumtippt] brauchen wir nicht
k: [mit gehobener augenbraue zusieht]
b: [rechnung zurück zu kunde schiebt] sie werden in den nächsten tagen eine neue rechnung bekommen.
k: [alte rechnung nimmt, einsteckt, aufsteht, geht]

[selbstverständlich wurde der gesamte dialog zum besseren verständnis ins hochdeutsche übertragen]


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