once upon a time …

song | blurbs from laza radio
mood | somewhere between being pissed off and fucking annoyed

vor langer langer zeit wurde einmal ein märchen erzählt, das begann mit … die würde des menschen ist unantastbar und alle staatsgewalt geht vom volke aus. und die zeit verging und immer mehr glaubten daran. mit dem glauben an diesen satz wurden diktaturen gestürzt, monarchien beendet, dinge verändert, … das märchen wurde weitererzählt, niedergeschrieben, zum gesetz …

bis …

zu dem moment, als zwei türme einstürzten. denn dann wurde alles anders und die welt veränderte sich erneut. und alles das, für das unsere eltern, großeltern, vorfahren, einst kämpften, weil sie daran glaubten und es für richtig hielten, wurde uns stück für stück entzogen, eingegrenzt, weggenommen. deutlich sichtbar und spürbar, wie auch subtil. und die mehrheit schien damit einverstanden, glaubte sie doch an die darlegende argumentation des unbedingt notwendigen schutzes und der verteidigung gegen den scheinbar allmächtigen terrorismus. und die einschränkungen gingen immer weiter ins private hinein, spürbar ebenso wie subtil. doch man nahm es hin, gab es dafür im austausch doch sicherheit – und ist nicht kein preis zu klein für allgegenwärtigkeit eben jener? und lebte man denn nicht in einer demokratie, in der die politiker den willen des volkes vertraten?

oder war am ende doch alles ganz anders?

heute stellte ein innenminister fest, man müsse, da bei abstimmungen kein passendes ergebnis herauskommt, eben das gesetz so ändern, daß das ergebnis paßt. dabei wäre das alles doch nur zum wohl des staat… – nein, mist, verraten. zum wohl der sicherheit der bürger dieses staates, natürlich. auch wenn das seltsame daran zu sein scheint, daß die mehrheit der bürger anscheinend diese so wohlwollend gemeinte sicherheit gar nicht möchte, oder warum sonst diese vielen demonstrationen, verfassungsklagen in karlsruhe und ähnlichem? achso, ja, das gemeine volk an sich weiß weder, was gut ist, noch was tatsächlich …

wie war das gleich noch mal mit demokra… äh, wie schreibt man das gleich noch mal? grundgesetz? was ist das und wozu brauchen wir das? warum ändern wir dann am besten nicht gleich alles und das radikal – so wie es genehm ist und paßt, bis die nächsten kommen und wieder ändern wollen, weil nichts paßt. demokratie besteht nun mal aus der gegenseitigen auseinandersetzung, da kann er machen was er will – und wenn er sich hundertmal im kreis dreht. der sinn der übung an sich besteht darin, daß man sich in der mitte trifft – und nicht radikal den eigenen willen ohne rücksicht auf verluste durchsetzt, ohne dabei auch noch auf ein mögliches gegenüber hören zu müssen.

man könnte sich auch zu fragen beginnen, worin genau der unterschied besteht zwischen einer tatsächlichen demokratie – im sinne des wortes an sich – und dem, das wir heute haben. gut, wir mögen wählen. können, dürfen. doch inwieweit das, was wir heute als [repräsentative] demokratie bezeichnen, noch mit dem zu tun hat, was man ursprünglich dachte, daß es sei, ist eine ganz andere frage. oder sollte man die frage doch andersherum stellen, ist der durchschnittliche krone/fellnerismus-leser intellektuell in der lage, die möglichen politischen folgen für seine wahlentscheidung nachzuvollziehen; ebenso auch die dinge, über die die von ihm gewählten vertreter zu entscheiden haben?
und – was noch wichtiger ist, abgesehen von der frage inwieweit ihn das überhaupt interessiert – kann er sich mit den entscheidungen, die eben jene für ihn treffen, dann auch tatsächlich identifizieren? oder ist ihm das ohnehin egal, denn “die da oben wissen ohnehin alles besser und was kann einer allein schon ausrichten”?

liegt das herrschende scheinbare desinteresse tatsächlich nur an der ebenso scheinbar noch nicht wirklich überwundenen obrigkeitshörigkeit, die sich in der erziehung noch immer weiterzieht, und der einfachen tatsache, daß zwar ebenso scheinbar der frust und die teilweise bedingte ohnmacht zu wachsen scheinen, gemeinsam darin verbunden ob der ebenso bedingten lethargie.
solange es einem nicht betrifft … interessiert es nicht weiter. wichtiger sind die dvds, sie einem noch in der sammlung fehlen, was könnte man morgen kochen usw. oder ist das nur die oberfläche, an der sich niemand zu kratzen traut, aus angst vor dem, das sich darunter befinden könnte, so wie es scheinbar besser ist, keine schlafenden löwen zu wecken?

also weiterhin schön brav weiter wie bisher, denn was bis jetzt gut war, kann ja nicht schlecht sein, oder? und sind wir uns ehrlich, was haben wir schon zu verbergen? anständige, brave bürger die wir sind, schwer arbeitend, samstags die gasse kehrend, auto waschen … und immer darauf achtend, daß wir vor unseren nachbarn nicht in irgendeiner weise negativ erscheinen könnten, weil der rasen noch nicht gemäht wurde.

und so verliert das märchen immer weiter seine bedeutung … da immer weniger daran glaubten …

achja, daß die sp der vp auch noch das justizministerium überlassen möchte, ist dann nur mehr unter ferner liefen einzuordnen. weil, in der tat, wen interessierts wirklich?


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