zehn fragen … und eine mögliche antwort darauf – ein fiktiver mailverkehr in mehereren teilen

song | enya – dreams are more precious
mood | amused

abs. “kanzler in demut” w.faym@spoe.at
to. “mein pepi” j.proell@oevp.at
subj. re: 10 fragen

allerliebster pepi,

nach langer und reiflicher überlegung und diskussion dieser von unserem guten freund wolfi formulierten fragen deinerseits haben wir uns wie folgt entschlossen, was deren antwort betrifft.

selbstverständlich werden wir alles mögliche tun, um deinen vorstellungen – und ganz besonders jenen der iv – von wahrer heimischer politik, die sowohl sozial treffsicher ist, als auch der wirtschaft entsprechend deren vorteile hat, umzusetzen. schließlich muß in so schweren zeiten wie jetzt, am beginn einer krise das allernotwendigste getan werden, damit wir – österreich – am ende daraus so unversehrt wie möglich entkommen und unserer wirtschaft so wenig schaden wie nur möglich zugefügt wird. selbstverständlich ist es dann unmöglich, die bereits versprochenen dinge wie steuerreformen oder sonstiges umzusetzen. in meinen augen wäre es um einiges sinnvoller einen weiteren nationalen schulterschluß zu fordern und mit gemeinsamer anstrengung … du weißt schon, was ich meine. daß dadurch einmal mehr der soziale bereich, pensionen und so, beschnitten werden können, jo mei, bekanntlich muß jeder seine opfer bringen in solch zeiten.

daß ich nie gegen die eu war, weißt du. und wenn ich ehrlich bin, war es gusi, der mich dazu gezwungen hat, diesen leserbrief zu unterschreiben – mit vorgehaltenem gespitzten bleistift und der drohung, daß ich wieder zurück zu wiener wohnen muß. davon abgesehen, was tut man im wahlkampf nicht alles für einen stimmengewinn. ich gestehe auch ein, daß ihr – und ganz besonders wolfi – eindeutig die bessere kompetenz auf dem gebiet habt, weswegen ich mich jeder eurer zukünftigen entscheidungen diesbezüglich fügen werde. das mit den abstimmungen war ohnehin eine schnapsidee. ach ja, und ich werde dafür sorgen, im rahmen des umbaus des budgets, daß wir noch drei oder vier weitere eurofighter beziehen.

ebenso stimme ich überein, was das thema innere sicherheit angeht. überwachnung muß her, an allen möglichen fronten und so viel davon wie nur möglich. es kann nicht sein, daß die straßen weiterhin von zigarettenstummeln verschmutzt werden, und die ubahnen von achtlos weggeworfenen gratiszeitungen überquellen. von den massen an kaugummis, die die straßen überziehen, rede ich erst gar nicht. des weiteren setze ich mich mit aller schärfe dafür ein, daß in zukunft jede kritik an uns – ich meine natürlich euch – aufs härteste bestraft und schon im keim erstickt wird. je mehr wir wissen, wie das volk denkt, desto einfacher ist es für uns – ich meine natürlich euch, verzeihung – eben gegen jene vorzugehen. deswegen finde ich, man sollte noch viel weiter gehen, als es das spg vorschlägt, und ich weiß, daß ihr da einer meinung mit mir seid.

natürlich werde ich mich morgen höchstpersönlich mit onkel hansi bei einer tasse kaffee mit kuchen zusammensetzen, um das in der krone dementsprechend rüberzubringen, daß nicht gleich wieder der eindruck entsteht, ich wäre – wie sonst immer gusenbauer – einfach umgefallen. immerhin sollte ich ja einen etwas besseren eindruck hinterlassen, um die glaubwürdigkeit der großen koalition – verzeihung – vp-regierung mit rotem kanzler, weiterhin bestehen lassen zu können.

lieber pepi, ich wünsch dir noch eine schöne woche bis wir uns wieder sehen, ich weiß, donnerstag, halb neun, nationalrat. ich habs auch extra mit rotem stift dick im kalender markiert, ums mir zu merken.

alles liebe und in demut
dein werner


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