nur der nächste kandidat für das unwort des jahres?

song | matisyahu – youth
mood | annoyed

so sprach willi i, molter der große und einzige, also seine geheiligtsten segensworte, daß es reiche und siehe, die dunkelheit trennte sich vom land und wandelte sich in gleißendes licht, während das volk sich erhob, zu jubeln und zu jauchzen in allertiefster dankbarkeit ob der erlösung aus der umklammerung des bösen. und er begann das land neu zu ordnen und zu teilen, auf daß selbst generationen später noch friede würde herrschen und gerechtigkeit …

oder so hätte er es gerne. k, wenn wir eherlich sind, wohl eher der ehemalige kleine prinz, sofern die gerüchte der wahrhaftigkeit entsprechen. wenn ich ehrlich bin, ich bin mittlerweile so weit, selbst das unwahrscheinlichste für möglich zu halten. auch das gerücht von blau/grün [das irgendwie in der tat ein interessantes experiment wäre. zumindest wäre spannung garantiert].

so erhob peter pilz seine stimme, um zu erkennen, ‘österreich würde von einer bagage regiert. endlich ist schluß’. das tatsächlich traurige daran ist aber nicht die feststellung an sich, nein, sondern die tatsache, gleich wie diese wahl dann ausgehen wird, sich daran nichts ändern dürfte.
solange die gleichen ‘alten männer’ das sagen haben, solange die ideologie gemeinsam mit der verbunden noch irgendwo zwischen nachkriegszeit und 60/70er-jahre steht, solange sich eben diese funktionäre aus beiden großparteien weiter das gesamte land zwischen sich nach gutdünken [und den ihnen zugehörigen bünden, kammern, verbänden und anderen nahestehenden verinigungen] aufteilen … solange wird sich nichts ändern – und wohl auch keines der anstehenden probleme sinnvoll gelöst werden. noch weniger, wenn einem umfrage-/imagewerte und wiederwahl wichtiger sind, als das echte umsetzen von inhalten, da man eher den eigenen [vereinigungen] interessen nachgibt, oder besser gesagt, dessen forderungen.

und vor allem, warum [und wie] kann es überhaupt möglich sein, daß diese gleichen leute, die laut eigenaussage fast [oder so gut wie keine] ahnung darüber haben [oder über die dahinter stehenden technologien], einfach gesetze abnicken ohne deren tatsächlichen inhalt zu kennen oder gelesen zu haben? schon verständlich, den kollegen zu vertrauen, da sie wohl wüßten, was sie tun. sagte ja auch schon nationalratspräsidentin prammer.

aber klar, es ist wichtig, lawinenopfer per imsi-peilung in einer bergspalte zu finden wenn man der damaligen argumentation des spg glauben würde. nur, schon damals war mein erster gedanke mit sicherheit kein verzweifelnd aufzufindendes lawinenopfer? aber vielleicht kann mir auch noch einer erklären, was es mit den ~4000 anfragen ad handy-/internet-überwachung in den ersten vier monaten an sich hatte? alles potentielle verdächtig schwer kriminelle, die attentate oder noch schlimmeres geplant hatten? noch pöhsere raubmordkopierkinderwasimmer? achso ja, der jihad ist ja bekanntlich mitten unter uns … und während der em war ja … oder wie war das noch mal? die mehrheit waren sicher fragen, was die ehefrau mit dem nachbar … erm … oder so in der art … was sonst würde die höhe erklären?

mehr noch, wie ist es möglich, gesetze zu beschließen, die noch in allerletzter minute geändert werden, ohne daß jemand fragen darüber stellt oder es diskutiert, oder auch nur aufschreit? anscheinend geht es nur mehr darum, abzunicken was [den ‘freunden’] genehm ist, ohne in frage zu stellen. hauptsache, es geht problemlos.
selbst, wenn zwei parteien partout nicht mehr miteinander können, obwohl sie doch zusammen regieren sollten, reicht das vertrauen doch noch weit genug, um sich gegenseitig die stange zu halten. klar, lästige untersuchungs-ausschüsse kann man auch so beenden. und nur bloß nicht noch ein ehemaliges wahlversprechen umwandeln, man könnte ja den begonnenen wahlkampf behindern und die opferrolle zerstören, daß die schwarze reichshälfte alles verhindert hat …

gehts noch? wer vertritt noch wen, sofern demokratie sich noch immer so definiert, wie es ursprünglich definiert wurde. lassen wir mal das ‘sozial’ am anfang der beschreibung der staatsform außer acht, und das parlamentarisch ebenso. sollte sich die republik an sich nicht mehr am gemeinwohl als am selektierten wohl einiger weniger orientieren, oder war mir damals im politik-unterricht etwas entfallen?
betonen doch alle unsere werten politiker immer wieder, sie würden das volk vertreten [und dessen ausdrücklichen willen], frage ich mich doch immer mehr, inwieweit sich diese aussage mit der realität überschneidet. mal abgesehen von den lesern der kronen-zeitung … oder besser gesagt deren leserbrief-schreiber.

oder ist doch etwas daran, daß jedes land die regierung bekommt, die es verdient? was implizieren würde, zwischen 1933 und heute hat weder ein tatsächlicher lernprozess stattgefunden, sondern auch die unterschiede sind nicht so gravierend, wie man dachte [oder annahm]. oder sind wir mittlerweile nicht mehr auf dem besten weg dorthin, sondern bereits mittendrin statt nur dabei, doch zu blind, um es zu merken?

noch trauriger ist jedoch, daß die, die von den jetzigen politikern als ‘junge’ bezeichnet werden, so jung auch nicht mehr sind. zum teil als parteifunktionäre im laufe der jahre von unten nach oben gewandert sind. wie viele haben ahnung vom leben eines menschen, der mit 500e auskommen muß, oder weniger? wie viele von ihnen wissen, wie es ist, wenn man keine ahnung hat, mit was man seine miete zahlen soll, was man essen soll, wenn nichts da ist. oder waren bereits einmal ohne dach über dem kopf?
klar, geordnete bürgerliche verhältnisse. und sonst gibts nichts? was man nicht sehen will, existiert nicht? gute idee, dieser verdrängungsmechanismus. wird aber auf dauer nicht funktionieren.
jung, vielversprechend, erfolgreich … blah … und was sonst noch alles … [nein, ich meinte nicht das personifizierte tef… erm … faymann] … einmal mehr sind boulevard und image wichtiger als das wahre leben. aber man würde die sorgen und probleme der menschen kennen, auf sie hören … ach ja, es ist wahlkampf … und vor der wahl ist nach der wahl und …

ich muß gestehen, ich habe keine ahnung, was ich am 28. september machen werde. oder wo ein kreuz. am ende sagt mir so gut wie keine der bis jetzt antretenden bekannten parteien auch nur in einer weise zu, entweder aufgrund der handelnden personen, des bekannten programmes oder der vertretenen positionen. [und auf die aussicht, für die nächsten 80 tage mit plakaten von hc vor meiner haustüre belästigt zu werden, bin ich auch nicht besonders erpicht.]
vielleicht sollte ich doch den scherz in die tat umsetzen … das tischtuch … äh, den wahlzettel … ganzseitig durchstreichen, etwas nettes auf die rückseite schreiben, daraus mittles origami einen kranich falten, das ganze in ein kouvert geben und so in die urne werfen. wäre zumindest ein kreativer ansatz des nichtwählens. oder doch dunkelrot … oder … ich weiß es nicht …


About this entry